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Grundbedürfnis Mobilität

Wer sind wir, die wir entscheiden wie weit sich mobilitätseingeschränkte Menschen pro Tag bewegen dürfen?

Ich ließ letztens einen meiner unzähligen Briefe - die Anzahl verheißt oft nichts Gutes - öffnen und las einen Brief von meiner Krankenkasse. Solche Schreiben sind Normalität. Manchmal erlebt man aber auch echte Wunder - und so war es in diesem Fall auch. Darin hat man - getarnt als Begründung für eine zweifelhafte Entscheidungsgrundlage - erklärt, das es nicht zum Grundbedürfnis gehöre sich täglich mehr als 500-1000 m von der Wohnung zu entfernen. Vielmehr sei es ausreichend, kurz „Luft zu schnappen". Weitergehende Ausflüge oder Aktivitäten, unabhängig davon ob sie aus Freizeitgedanken oder medizinischen Gründen getätigt werden, gehören nicht zu den maßgeblichen und berücksichtigungsfähigen Lebensbedürfnissen.

Als Rechtsgrundlage wurde ein Urteil des Bundessozialgerichts von vor 17 Jahren angeführt. Wer Interesse hat kann unter dem Aktenzeichen AZ: B3KR 29/99 R weiter recherchieren. Einige Menschen werden sich jetzt sicherlich denken, dass das seine Richtigkeit haben wird wenn ein Bundesgericht derartig entscheidet. Doch in vielen Fällen bedeutet eine derartige Rechtssprechung den Rückfall in die Steinzeit. Alleine daran, dass man Grundbedürfnisse danach zu bemessen versucht, Personen, die aufgrund von Erkrankungen sowieso schon eingeschränkter in ihrer Mobilität sind, auf wenige Minuten am Tag Bewegungsfreiheit zu gewähren, zeigt wie man mit Steinschleudern umgeht und nicht entsprechend des 21. Jahrhunderts moderner und verantwortlicher handelt. Würde jemand von Euch überhaupt auf die Idee kommen, dass Eure Krankenkasse euch nach einem Unfall nur 20 Minuten pro Tag freie Fahrt voraus gönnt bevor ihr wieder umkehren müsstet, weil euer Kilometer-Stand sonst zu teuer wird?